Bauen mit Stroh - Ein Beitrag zur Nachhaltigkeit durch den Einsatz von Stroh

Es gibt gute Gründe für das Bauen mit Stroh. Stroh ist eine nachwachsender Rohstoff, bietet keine Entsorgungsprobleme und letztlich damit weniger Umweltbelastung. Strohballen können sowohl die Funktion der Lastabtragung als auch die Funktion der Wärmedämmung übernehmen. Sogar Passivhausstandard lässt durch die Dämmung mit Stroh erzielen. Allgemeine Zulassungen für die Verwendung von Stroh als Wärmedämmung sowie Testergebnisse zum Brandschutz bieten eine sichere Grundlage, Häuser mit Strohballen errichten zu können.

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Stroh als Baumaterial

Vor knapp drei Jahren bin ich das erste Mal auf das Thema “Bauen mit Stroh” gestoßen. Ausgangspunkt war das Projekt zur Teilumnutzung einer Scheune zu einem Wohnhaus. Unsere Idee: Die Umnutzung der Scheune zum Wohnhaus sollte mit natürlichen, nachwachsenden Materialien erfolgen. Die Verwendung von Holzkonstruktionen mit einer Wärmedämmung aus Strohballen haben wir dabei aus der ursprünglichen Nutzung von Scheunen abgeleitet. Es galt unterschiedliche Hemmnisse wie strenge Bauvorschriften, bauphysikalische Aspekte und neue konstruktive Details aus dem Weg zu räumen. Das Seminar “Fachgerechtes Bauen mit Stroh” im Ökodorf Sieben Linden hat mir interessante Erkenntnisse zu einem vermeintlich noch immer recht unbekannten Baustoff vermittelt.

Bauen mit Stroh bedeutet gleichzeitig einen Beitrag zur Nachhaltigkeit des Bauens zu leisten. Stroh ist lokal verfügbar und kann am Ende der Nutzung wieder der in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden. Kommt es zum Rückbau des Gebäudes kann Stroh leicht von den übrigen Materialien getrennt und beispielsweise als Mulch weiter verwendet werden. Der Baustoff Stroh verfügt über die Anforderungen an einen nachhaltigen Baustoff.

Hast du gewusst, dass wir etwa 20 Stunden pro Tag in Innenräumen von Gebäuden verbringen? Da macht es doch Sinn den Horizont zu erweitern und anhand natürlicher Baustoffe über das Thema “gesünder wohnen” nachzudenken. Du machst dir Gedanken über Emissionen von Baustoffen und wie umwelt- und menschverträglich solche Baustoffe eigentlich sind? Hier ein Denkanstoß zur Nachhaltigkeit durch den Einsatz von Stroh als Baumaterial.

Herstellung von Strohballen

Um ein Haus aus Strohballen bauen zu können, hat die Qualität der verwendeten Strohballen natürlich zentrale Bedeutung. Zu beachten sind hier eine möglichst intakte Halmstruktur und eine gute Ballenfestigkeit. Als Baustrohballen kommen quaderförmige Strohballen mit unterschiedlichen Ballenabmessungen zum Einsatz. Je nach verwendetem Pressverfahren ist die Länge der Strohballen dabei in einem gewissen Rahmen variabel. Neben einer trockenen Lagerung sollte der Strohballen weitere Eigenschaften aufweisen, um zur Verwendung beim Bauen eingesetzt werden zu können:

  • Bindung aus Kunststoff oder Draht

  • möglichst geringe Rundung der Ballenenden

  • möglichst intakte Halmstruktur

  • goldgelbe Farbe

  • kein modriger Geruch

  • feste Struktur

Bauweisen mit Stroh

Grundsätzlich wird zwischen lasttragende (Die Strohballen tragen die Lasten des Daches (oder Geschossdecken) und nicht lasttragende (ein zusätzliches Tragsystem übernimmt die Abtragung der anfallenden Lasten) Bauweise unterschieden. Bei der nicht lasttragenden Bauweise übernehmen die Strohballen rein die Funktion der Wärmedämmung. Hier wird das Tragsystem häufig als Holzrahmenbauweise ausgebildet. Die Strohballen werden dann zwischen den tragenden Elementen angeordnet. Die Strohballen können alternativ auch vor eine tragende (Vollholz-)Wand gestellt werden.

Schädlinge bleiben draußen

Stroh dient nicht als Nahrungsquelle für Insekten oder Nagetiere sondern wenn als Lebensraum bzw. Nistplatz. Die Probleme gibt es allerdings auch bei konventionellen Dämmstoffen. Durch die gepressten Strohballen und übliche Maßnahmen wie bei anderen Dämmstoffen auch (Putze, Gitter oder Lochbleche) wird das Eindringen von Nagetieren verhindert. Auch Schimmelpilze können sich nicht auf trockenen Stroh entwickeln. Hierbei ist auf die richtige baukonstruktive Ausführung der Wand zu achten.

Baustroh brennt nicht lichterloh

Stroh brennt nur lose lichterloh. Ein zu Ballen gepresstes Stroh ist dagegen aufgrund des geringen Sauerstoffgehalts wesentlich schwerer zu entflammen. Je nach Verarbeitung der Strohballen -zum Beispiel durch entsprechende Verputzung der Wände- kann eine hohe Feuerwiderstandsdauer von 90 Minuten (F 90) erzielt werden. Während der Bauphase sollten allerdings freiligende Strohballenwände aufgrund der Brandgefährdung möglichst schnell verschlossen werden.

Qualität der Strohballen

Wie bereits zuvor in der Herstellung von Strohballen beschrieben, gilt es vor dem Einbau von Stroh als Dämmung die Strohballen entsprechend ihrer Qualität zu prüfen. Die Strohballen müssen fest gepresst und nicht ausgefranst sein, Die Bindung der Ballen muss aus einem Material sein  das nicht verrottet. Desweiteren dürfen die Strohballen selbstverständlich auch keine schimmeligen oder modrig riechenden Stellen aufweisen. Der Feuchtegehalt der Strohballen muss entsprechend geprüft werden.

Transport, Lagerung und Regenschutz der Strohballen

Ganz wichtig: während des Transports und Lagerung der Strohballen müssen diese während des gesamten Bauprozesses vor Regen geschützt werden. Die Lagerung der Strohballen erfolgt daher auf trockenen Untergrund ohne Kontakt zum Erdreich (zum Beispiel auf Paletten). Beim Einbau der Strohballen müssen auch die Wände vor Regen geschützt und gegebenenfalls abgedeckt werden. Je nach Bauweise können die Wände auch in einer Halle vorgefertigt und anschließend als Fertigteil zur Baustelle geliefert werden. Arbeitshandschuhe und entsprechende Kleidung an Armen und Beinen schützt vor Hautverletzungen beim Umgang mit den Strohballen.

Gebäude mit Stroh als Wärmedämmung

Wandkonstruktionen mit Strohballen als Wärmedämmung lassen sich gut für ein- und zweigeschossige Gebäude anwenden. Einfamilienhäuser, Doppelhäuser oder Reihenhäuser aber auch zum Beispiel Kindergärten lassen sich mit Stroh gut realisieren. Der Einsatz von Stroh bei mehrgeschossigen Gebäuden muss im Einzelfall geprüft werden. Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass beim bauen mit Stroh auch der Laie mit anpacken kann. Beim Hausbau mit Stroh können somit Familie, Freunde und Bekannte mit anpacken. Das ist sicherlich auch für die Kleinsten eine spannende Angelegenheit.

Baurechtliche Anerkennung von Stroh in Deutschland

Strohballen sind kein geregeltes Bauprodukt und es wird entweder eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung, ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis oder eine Zustimmung im Einzelfall notwendig. Für “Baustrohballen” gibt es eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung sowie ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis. Außerhalb dieser Bestimmung ist eine Prüfung im Einzelfall eforderlich und mit der Bauaufsicht der entsprechenden Bundesländer abzustimmen. Weitere Informationen dazu findest du beim Fachverband Strohballenbau Deutschland eV unter www.fasba.de.