Dachgeschoss ausbauen - Was ist zu beachten beim Dachausbau in NRW

Das geneigte Dach gehört in seiner Form zur bewährten und anerkannten Vorstellung beim Bild vom Haus. Das Satteldach steht für Schutz, Heimat und Behausung. Der Raum unter dem geneigten Dach spielte allerdings lange Zeit keine Rolle für die Nutzung als Wohnraum. Ungenutzte Dachräume bieten heute durch moderne Bautechnik allerdings das Potenzial für die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum. Der nachträgliche Dachgeschossausbau schafft nicht nur zusätzliche Wohnfläche sondern auch mehr Rauminhalt. Durch eine differenzierte Betrachtung der Raumhöhen -über das Denken in Grundrissen hinaus- können sich neue räumliche Typologien ergeben mit mehr Qualität.

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Dachausbauten in NRW - Informationen aus dem Baurecht

Um Bauherren eine Übersicht über die grundlegenden Anforderungen beim Dachausbau zu Wohnzwecken zu geben, beschäftigt sich dieses Kapitel mit den Grundprinzipien der Baukörpergestalt und der baulichen Ausnutzung, die sich in baurechtlichen Anforderungen begründen. Hier weicht das Baurecht durch regional unterschiedliche Bauweisen voneinander ab. Ich beziehe mich in diesem Beitrag auf die Bauordnungsgesetzgebung des Landes NRW.

Was bedeutet Abstandsfläche?

Gemäß BauO NRW 2018 § 6 bezeichnet die Abstandsfläche die Fläche vor Bauwerken, die in der Regel von Bebauung freizuhalten ist. Abstandsflächen legen die städtebauliche Dichte sowie die bauliche Ausnutzung des Grundstückes fest und sind ein komplexes Thema. Die Berechnung der Abstandsflächen gilt es insbesondere beim Dachausbau durch untergeordnete Bauteile -wie Dachgauben- zu beachten.

Wie groß dürfen Dachgauben sein?

Dachgauben und Dachaufbauten zur Wohnraumerweiterung spielen als untergeordnete Bauteile eine wichtige Rolle bei der Betrachtung der Abstandsflächen. Dachgauben bleiben -wenn sie Bestandteil des Daches sind- bei der Berechnung der Abstandsfläche außer Betracht, sofern sie gemäß BauO NRW 2018 § 6 die Voraussetzungen erfüllen, dass deren Gesamtlänge je Dachfläche weniger als die Hälfte der darunter liegenden Gebäudewand beträgt. Gemäß BauO NRW 2018 § 32 sind Dachgauben so anzuordnen, dass Feuer nicht auf andere Gebäudeteile und Nachbargrundstücke übertragen werden kann. Von der Außenfläche von Brandwänden und von der Mittellinie gemeinsamer Brandwände müssen Dachgauben mindestens 1,25 Meter entfernt sein wenn sie nicht durch diese Wände gegen Brandübertragung geschützt sind.

Maß der baulichen Nutzung als Beurteilung zur Zulässigkeit beim Dachausbau

Zur Festlegung der städtebaulichen Dichte sind die Grundflächen- und Geschossflächenzahl wesentliche Kenngrößen für das Maß der baulichen Nutzung. Die Grundflächenzahl (GRZ) bestimmt den Flächenanteil des Grundstücks, der bebaut werden darf, um die Bodenversiegelung zu begrenzen. Geneigte Dächer haben -bis auf weite Dachüberstände oder Gesimse- keinen Einfluss bei der Bestimmung der GRZ. Die Geschossflächenzahl (GFZ) gibt an, wie viel Quadratmeter Geschossfläche je Quadratmeter Grundstücksfläche zulässig sind. Die Geschossfläche ist nach den Außenmaßen der Gebäude in allen Vollgeschossen zu ermitteln. Durch den nachträglichen Dachausbau kann ein Dachgeschoss unter Umständen als Vollgeschoss gerechnet werden. Um eine damit einhergehende Überschreitung der GFZ zu verhindern, ist hier entsprechend Vorsicht geboten.

Vollgeschosse prüfen um die Geschossflächenzahl (GFZ) nicht zu überschreiten

Wie bereits erwähnt, kann der nachträgliche Dachgeschossaubau einen erheblichen Einfluss auf die Vollgeschossfrage haben. Durch den zum Beispiel nachträglichen Einbau einer Gaube könnte sich ein ehemals nicht anzurechnendes Geschoss in ein Vollgeschoss verwandeln und somit die GFZ überschreiten. Gemäß BauO NRW 2018 § 2 sind Vollgeschosse oberirdische Geschosse, die eine lichte Höhe von mindestens 2,30 m haben. Ein Geschoss ist nur dann ein Vollgeschoss, wenn es die in Satz 1 genannte Höhe über mehr als drei Viertel der Grundfläche des darunterliegenden Geschosses hat. Auch wenn das Dachgeschoss kein Vollgeschoss darstellt sind Aufenthaltsräume möglich.

Mindestanforderungen an Aufenthaltsräume im Dachraum

Aufenthaltsräume sind Räume, die zum nicht nur vorübergehenden Aufenthalt von Menschen bestimmt oder geeignet sind. Zu Aufenthaltsräumen zählen Wohn- und Schlafräume, Küchen oder Arbeitszimmer. An Aufenthaltsräume werden gemäß BauO NRW 2018 § 46 Mindestanforderungen bezüglich Raumhöhe, Belichtung und Belüftung gestellt. Für Aufenthaltsräume im Dachraum und im Kellergeschoss, im Übrigen für einzelne Aufenthaltsräume und Teile von Aufenthaltsräumen genügt eine lichte Höhe von mindestens 2,20 m. Aufenthaltsräume unter einer Dachschräge müssen eine lichte Höhe von 2,20 m über mindestens der Hälfte ihrer Grundfläche haben. Raumteile mit einer lichten Höhe bis zu 1,50 m bleiben außer Betracht. Aufenthaltsräume müssen ausreichend belüftet und mit Tageslicht belichtet werden können. Sie müssen Fenster mit einem Rohbaumaß der Fensteröffnungen von mindestens ein Achtel der Netto-Grundfläche des Raumes einschließlich der Netto-Grundfläche verglaster Vorbauten und Loggien haben.

Rettungsfenster im Dachgeschoss nachweisen

Bei nachträglichen Dachausbau gilt es den zweiten Rettungsweg nachzuweisen. Gemäß BauO NRW 2018 § 33 müssen für die Nutzungseinheiten mit mindestens einem Aufenthaltsraum (z.B. Wohnungen) in jedem Geschoss mind. zwei voneinander unabhängige Rettungswege ins Freie vorhanden sein. Als Rettungsfenster können stehende Fenstertypen, aber auch liegende Fenster (Dachflächenfenster) dienen. Gemäß BauO NRW 2018 § 37 müssen Fenster, die als Rettungswege nach § 33 Absatz 2 Satz 2 dienen, im Lichten mindestens 0,90 m x 1,20 m groß und nicht höher als 1,20 m über der Fußbodenoberkante angeordnet sein. Liegen diese Fenster in Dachschrägen oder Dachaufbauten, so darf ihre Unterkante oder ein davorliegender Auftritt von der Traufkante horizontal gemessen nicht mehr als 1 m entfernt sein. Der Abstand kann in Abstimmung mit der Brandschutzdienststelle vergrößert werden. Von diesen Fenstern müssen sich Menschen zu öffentlichen Verkehrsflächen oder zu Flächen für Einsatzkräfte der Gefahrenabwehr bemerkbar machen können.

Herstellung von Stellplätzen beim Ausbau von Dachgeschossen

Gemäß BauO NRW 2018 § 48 können die Gemeinden unter Berücksichtigung der örtlichen Verkehrsverhältnisse, den vollständigen oder teilweisen Verzicht auf die Herstellung von notwendigen Garagen oder Stellplätzen festlegen, soweit der Stellplatzbedarf durch den nachträglichen Ausbau vom Dachgeschoss entsteht.

Bauvorlagen für den Antrag auf Baugenehmigung beim Dachausbau zu Wohnzwecken

Die erforderlichen Bauvorlagen für das Antragsverfahren “Dachausbau zu Wohnzwecken” sind in dreifacher Ausführung vollständig gemäß BauPrüfVO NRW bei der zuständigen Baubehörde einzureichen. Hier eine Auflistung der Unterlagen die beim Bauantrag erforderlich sind bzw. in der Regel gefordert werden:

  • Bauantragsformular

  • Baubeschreibungsformular

  • Auszug aus der Liegenschaftskarte / Flurkarte

  • Lageplan M 1:500 oder M 1:250

  • Deutsche Grundkarte M 1:5000

  • Bauzeichnungen M 1:100

  • Wohn- und Nutzflächenberechnung

  • Herstellungskosten

  • Stellplatznachweis

  • Bauvorlageberechtigung (Architekt)

  • Bautechnische Nachweise (Standsicherheit, Feuchte-/Wärmeschutz, Schallschutz, Brandschutz)

  • Baustastitik

Dachgeschoss umbauen - Bauphysikalische Anforderungen bei der Umnutzung zu Wohnraum

An zu Wohnzwecken ausgebaute Dachgeschosse werden werden hohe bauphysikalische Anforderungen gestellt. Der Fokus richtet sich vor allem auf den Brandschutz. Die materiellen und räumlichen Anforderungen an das Dachgeschoss werden durch die Einordnung in unterschiedliche Gebäudeklassen bestimmt. An einen Dachausbau im Einfamilienhaus werden vollkommen andere Anforderungen gestellt als an eine Wohnnutzung im Dachgeschoss der Gebäudeklasse 5. Wichtig in diesem Zusammenhang sind die Rettungswege und die Erschließungsräume für die Dachwohnungen.

Standsicherheit (Statik) beim Dachausbau

Der Tragwerksplaner (Statiker) erstellt den nach dem Bauordnungsrecht erforderlichen Standsicherheitsnachweis inkl. Ausführungspläne. Grundlagen sind Last- und Tragfähigkeitsannahmen. Der Standischerheitsnachweis kommt nicht nur bei baulichen Veränderungen zum Einsatz. Es sollte vor allem auch die Lastannahmen der Geschossdecke geprüft werden. Oft wurden die Lasten der Geschossdecke bei Altbauten nicht für die Nutzung zu Wohnzwecken ausreichend dimensioniert.

Wärme- und Feuchteschutz der Gebäudehülle

Die Grundsätzlichen Anforderungen an den winterlichen und sommerlichen Wärmeschutz sind in der DIN 4108 und in der Energieeinsparverordnung (EnEV) geregelt. Grundsätzliches Ziel der Gebäudehülle -somit auch beim Dach- ist es, die Innenräume im Winter vor Kälte und im Sommer vor Hitze zu schützen. Gleichzeitig gilt es, eine Tauwasserbildung zu verhindern (Feuchteschutz). Ein behagliches Raumklima muss gewährleistet sein. Technische Anlagen und Baukonstruktion sollten durch ein Fachbüro für Bauphysik optimal aufeinander abgestimmt werden und bilden die Basis für den Wärme- und Schallschutznachweis.

Schallschutz gegen Außenlärm und Schall aus fremden Räumen

Wohnungen müssen einen ausreichenden Schallschutz aufweisen. Dabei gilt es den Schutz gegen Außenlärm und den Schutz vor Schall aus fremden Räumen nach entsprechenden Anforderungen zu verhindern. Im privaten Wohnungsbau empfiehlt es sich strengere Grenzwerte als die Mindestanforderungen einzuhalten (um Streitigkeiten zu vermeiden).

Brandschutz je nach Gebäudeklasse

Beim Umbau Dachgeschoss zu Wohnzwecken ist es von großer Bedeutung, in welche Gebäudeklasse das Bauvorhaben eingestuft wird. Die Anforderung des Brandschutzes beim Dachausbau ergeben sich in Abhängigkeit der Gebäudeklasse. Neben Rettungswegen spielen auch die materiellen Anforderungen an die Bauteile eine sehr wichtige Rolle. Grundsätzlich kann man festhalten: Je höher die Gebäudeklasse, desto höher die Anforderungen an den Brandschutz. Es gibt fünf Gebäudeklassen die vor allem durch die verschiedenen Anleitertechniken der Feuerwehr unterschieden werden und den damit verbundenen höchstgelegenden Aufenthaltsraum eines Gebäudes. In vielen Fällen ist es ratsam und teilweise unerlässlich den baulichen Brandschutz durch ein Fachbüro für Brandschutzplanung bewerten zu lassen.

Ist mein Dach ausbaufähig?

Die Auseinandersetzung mit dem geneigten Dach hat gezeigt, dass es einige Punkte und Details gibt, die berücksichtigt werden müssen, um ein funktionierendes Gesamtkonzept zu entwickeln. Ungenutzte Dachräume bieten das Potenzial für die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum. Die Machbarkeit stellt in der Regel keine unüberwindbare Hürde da. Um einen erheblichen Kostenaufwand durch falsche Planung oder Annahmen zu vermeiden, sollte auf die Beratung durch einen Fachmann in keinem Fall verzichtet werden.