Tiny House - Wohnen auf kleinem Raum in einem mobilen Eigenheim

Es ist klein und mobil und hat auf engstem Raum alles was man zum Leben braucht. Das mobile Tiny House ist der neue Wohntrend. Die Beweggründe für das Wohnen in einem Tiny House sind unterschiedlich. Auf kleinem Raum lebt es sich kostengünstig. Ein Tiny House vermittelt ein besonderes Gefühl - einen abenteuerlichen Lebensstil. Der Wohnraum in deutschen Großstädten wird immer knapper. Mieten und Immobilienpreise steigen.  Ein Grund sich mal mit dieser alternativen Wohnform auseinanderzusetzen.

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Was sind Tiny Houses?

Bei einem Tiny House spricht man in Deutschland von der kleinsten Wohnform auf Rädern. Die deutsche Straßenverkehrsordnung erlaubt Anhänger mit einer Breite von maximal 2,55 Meter und einer Höhe von 4 Meter ohne Sondergenehmigung. Da das Tiny House zum  auch mal bequem rangiert werden will, wird in der Regel eine Länge von 7 Meter nicht überschritten.

Tiny Houses werden in Deutschland nicht als alternative zu einem Wohnwagen verstanden sondern sollen für ein knappes Budget das eigene Dach über dem Kopf bieten. Dabei ist ein Wohnortwechsel durch das Haus auf Rädern nicht ausgeschlossen. Ein Tiny House soll seinen Bewohnern das Bedürfnis nach persönlicher Unabhängigkeit und finanzieller Freiheit befriedigen. Bei dem Trend des Tiny Houses geht es um eine Reduzierung auf das Wesentliche und den vermeintlichen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Brauche ich eine Baugenehmigung für ein Tiny House?

Sofern Gebäude in Deutschland zu Wohnzwecken genutzt werden, sind diese im allgemeinen genehmigungspflichtig. Auch kleine Gebäude. Dabei wird es in den einzelnen Bundesländer durch die jeweilige Landesbauordnung unterschiedlich geregelt. Grundlegendes vorab: Tiny Houses sind keine “Wohnwagen”. Ein Tiny House fällt auch nicht unter den Begriff “bauliche Anlagen” oder “Fahrzeuganhänger mit gebäudegleicher Wirkung”. Ein Tiny House ist ein Gebäude welches in der Regel zu Dauerwohnzwecken genutzt wird.

Je nach Landesbauordnung können Tiny Houses als “Gebäude bis zu 75 m³ Brutto-Rauminhalt…” als genehmigungsfrei oder sogar als verfahrensfrei betrachtet werden. In NRW zum Beispiel sind nach BauO NRW § 62 nur “Gebäude bis zu 75 m³ Brutto-Rauminhalt ohne Aufenthaltsräume, Ställe, Toiletten oder Feuerstätten…” genehmigungsfrei. In Bayern sind nach BayBO Art. 57 “Gebäude mit einem Brutto-Rauminhalt bis zu 75 m³” nicht nur genehmigungsfrei sondern auch verfahrensfrei.

Trotz allem gilt es geltendes Recht durch Bebauungspläne, Satzungen sowie dem Baugesetzbuch (BauGB) einzuhalten.

Welche Einsatzbereiche gibt es für ein Tiny House?

Möchtest du dein Tiny House als Hauptwohnsitz nutzen, handelt es sich um ein Bauvorhaben. Dafür musst du alle Bestimmungen der Landesbauordnung des entsprechenden Bundeslandes, dem Baugesetzbuch (BauGB), örtlichen Satzungen und ggf. den Vorschriften eines Bebauungsplanes einhalten.

Die Nutzung des Tiny House als Gästehaus, Wochenendhaus oder Ferienhaus auf einem privaten Grundstück bedarf ebenfalls einer Baugenehmigung. Oder du entscheidest dich eine Parzelle auf einem Campingplatz oder Ferienhausgebiet zu pachten. Dann ist kein separater Bauantrag notwendig. Da allerdings ein Campingplatz meist in einem Gebiet zu Erholungszwecken liegt, ist Dauerwohnen baurechtlich meist nicht erlaubt.

Möchtest du dein Tiny House ohne Nutzung nur abstellen, benötigst du einen genehmigungsfähigen Abstellplatz.

Welche Grundstücke eignen sich für ein Tiny House?

Möchtest du dein Tiny House als Wohnsitz nutzen, benötigst du ein Grundstück das bereits erschlossen ist bzw. die Voraussetzung erfüllt, an das öffentliche Netz angeschlossen werden zu können. Gleichzeitig muss sich dein Grundstück in einem Wohngebiet (oder Mischgebiet) befinden, es sei denn, du möchtest dein Tiny House als Büro oder zur Vermietung nutzen. Dann kommt auch ein Gewerbegebiet für dein Grundstück in Frage.

Liegt das Grundstück in Geltungsbereich eines Bebauungsplanes, gibt dieser Auskunft darüber, welche Vorhaben erlaubt sind und welche nicht. Liegt kein Bebauungsplan vor gelten die Vorschriften des § 34 BauGB. Als wichtigtes Prinzip gilt hier das “Einfügungsgebot”. Es kommt darauf an, dass sich dein Tiny House in die nähere Umgebung “einfügt”. Hier wird unter Bezug auf das Gebot der Rücksichtnahme die Zumutbarkeit des Vorhabens für die nachbarschaftlichen Interessen geprüft.

Du hast einen Landwirt der dir ein Stück Land verpachten möchte? Land- und forstwirtschaftliche Betriebe dürfen im Außenbereich § 35 BauGB nur priviliegiert bauen. Ein Tiny House im Außenbereich kommt für Wohnnutzung leider nicht in Frage. Wenn du dein Tiny House allerdings als Gewerbe vermieten möchtest, kannst du im Außenbereich eine Genehmigung erzielen wenn zum Beispiel Naturschutzgründe und weiteres nicht dagegen sprechen. Die Gemeinde profitiert dann vom touristischen Nutzen deines Vorhabens.

Eine weitere Möglichkeit zum wohnen in der Natur gibt es durch “Sondergebiete für alternative Wohnformen”. Hierzu solltet ihr Kontakt mit der entsprechenden Kommune aufnehmen um ein solches Gebiet zu finden und gleichzeitig eine Sondernutzung zu vereinbaren.

Ist ein Tiny House wirklich ökologisch und nachhaltig?

Die ökologischen und Nachhaltigkeitsapsekte von Tiny Houses werden durch die Verwendung von möglichst ökologischen Baustoffen oder recycelten Baustoffen begründet. Gleichzeitig wird weniger Wohnfläche bewohnt wodurch die CO2-Emissionen gering gehalten werden sollen. Ein Tiny House hat allerdings eine dünne Gebäudehülle der ein dadurch resultierender erhöhter Energieverbrauch entgegenstehen kann.

Ein Tiny House besitzt eine andere Lebenserwartung als ein Haus. Es sollte nicht als Immobilieneigentum oder Wertanlage betrachtet werden. Das Haus auf Rädern ist vermutlich gleichzeitg meist nur ein Lebensabschnittspartner. Wird ein Tiny House nur für eine kurze Lebensdauer eingesetzt, sollte man auch die Nachhaltigkeit hinterfragen. Es handelt sich zwar um ein kleines Haus mit einem vermeintlich kleinen ökologischen Fußabdruck. Aber mit einer geringen Lebensdauer kann man nicht mehr von Nachhaltigkeit sprechen. Ob das Tiny House daher eher kürzer oder länger währt, muss man mal abwarten.